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Dienstag, 24. Dezember 2019

Mein Unfall

Sonntag, 27.10. 2019, 11 Uhr Vormittag. Ich mache mit meinem Rollator einen Rundgang durch unser Haus und durchquere einen längeren Gang. An seinem Ende ist eine Tür. Ich greife nach ihrer Klinke, der Rollator kippt. Ich will aufstehen und kann meinen rechten Fuß nicht mehr bewegen. Das Rote Kreuz bringt mich in das Lorenz Böhler Krankenhaus. Mein Schenkelhals ist gebrochen. Am nächsten Tag werde ich operiert. Es war eine sehr schwere Operation. Ich bin 87 Jahre alt und durch mehrere Krankheiten vorbelastet. Der Eingriff gelingt. Wem darf ich danken?
Ein Schenkelhalsbruch war früher der sichere Weg zum Tod. Der Kranke musste liegen und bekam schließlich eine Lungenentzündung, an der er verstarb. Da halfen keine Gebete und Sterbesakramente. Als ich auf die Operation vorbereitet wurde, hatte ich Ängste. Ich wusste ja, dass es eine Risikooperation sein wird. Worauf vertraute ich: Auf die moderne Technik und das Geschick des Operationsteams oder auf Gott? Früher starben die Patienten trotz Gebet und Gottvertrauen, heute wird den Menschen durch Menschen geholfen. Wozu ist Gottvertrauen und Gebet überhaupt nützlich?
Der Unfall war für mich mehr als peinlich. Am 9. 11. 19 hatte ich ja unser erstes Gruppentreffen angesetzt, das ich mit 200 Flyer bewerben wollte. Plötzlich war ich weg vom Fenster. Ich hatte keinen Zugriff auf meinen Computer, das Werbematerial war zum Glück noch nicht verteilt. Dann erschien am Handy die Meldung, dass die Simkarte überlastet ist. Irrtümlich löschte ich die in Verwendung stehenden Kontakte. So war ich sang und klanglos in die Versenkung verschwunden und hatte zwei Monate hindurch keinen Kontakt zur Außenwelt. Das Alles schaffte Verwirrung, wofür ich mich hiermit bei meinen Lesern entschuldige.
Gläubige Menschen sagen, dass auch die größten Kirchenfeinde fromm werden, wenn sie dem Tod ins Angesicht sehen. Es stimmt. Meine Operation war ein großes Risiko. Aber ich hatte keinen Augenblick das Verlangen, zu Gott zu beten. Die Behauptung, dass alle im Angesicht des Todes zu Gott zurückfinden, ist entweder frommes Wunschdenken oder Propaganda. Auch in den Tagen nach der Operation dachte ich viele Stunden über das Sterben nach. Das einzige, was für uns maßgeblich ist, sind die Naturgesetze. Wenn ein Blitz einschlägt, entstehen Folgen. Als der Samen meiner Eltern sich vereinigten, entstand ich zwangsläufig. Es war aber für mich ein riesiger Glücksfall, vielleicht auch ein riesiges Pech, dass gerade diese Konstellation eingetreten war. Zufälle begleiten mich mein ganzes Leben. Sie können erfreulich oder unerfreulich sein. Das Einzige, was ich tun kann, ist, die jeweilige Situation zur Kenntnis zu nehmen. Das Wertvollste an meinem Unfall war, dass ich wieder einmal lernte, die Tatsachen, die mein Leben bestimmen, zustimmend zur Kenntnis zu nehmen.

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